GESCHÄFTSFÜHRER KOSSEN ZU GAST BEIM BROOMFIELD FOOTBALL CLUB - EIN ERLEBNISREPORT



Hi there, mein Name ist Jerôme Kossen, ich bin 24 Jahre alt und Student an der Universität Paderborn. Seit diesem Jahr bin als Geschäfts- und Schriftführer unseres SV Eiche Wehm tätig.
Im Rahmen meines studienbedingten Auslandsaufenthaltes im britischen London stattete ich dem beschaulichen Broomfield einen Besuch ab.
Der Broomfield F.C. ist seit Jahrzehnten ein befreundeter Fußballclub unseres Partnervereins Sparta Werlte. Im Zuge unserer Kooperation mit dem SV Sparta im Jugendbereich beteiligt sich auch unser SV Eiche an den jährlich stattfindenden „Exchanges“ beider Clubs. So sind unsere englischen Gäste bei jedem in Deutschland stattfindenden Austausch auch einen Tag zu Gast in Wehm. Dieser Austausch zwischen Broomfield und Werlte gehört zu den längsten Partnerschaften zweier Fußballclubs in Europa. Mit großer Freude werden wir jedes zweite Jahr auf’s Neue in England willkommen geheißen und ebenso begeistert reisen unsere Freunde jenseits des Ärmelkanals immer gerne zu uns auf’s Festland.
Da ich nun in diesem Spätsommer für drei Monate auf der Insel gelebt habe, hatte ich mir zum Ziel genommen, dem BFC einen Besuch abzustatten. Zu diesem Zweck habe ich Kontakt via Mailverkehr zum Verein aufgenommen und habe mit „Secretary & Treasurer“ Stuart Paterson ein Treffen vereinbart.

Also bin ich in den Zug gestiegen und nach einer guten halben Stunde in einer völlig anderen Welt angelangt. Weg von der hektischen Metropole, hinein ins gemütliche Essex. Nun war ich in Chelmsford, der nächstgrößeren Stadt in der Nähe von Broomfield. Hier wurde ich von Mr Paterson in Empfang genommen und er hat mich dann mit dem Auto (an dieses linksseitige Fahren werde ich mich nie gewöhnen) nach Broomfield und zu ihm nach Hause genommen. Nach der kurzen Anreise stand „Teatime“ auf dem Plan (was dem gemeinen Briten heilig ist), wobei wir uns nach einer kurzen Smalltalkphase über alle möglichen Dinge, u.a. natürlich auch über unsere Vereine, austauschten. Stuart investiert sehr viel Zeit und Mühe in den Verein (hat immer das Handy dabei), aber auch seine Familie ist generell im Verein engagiert (jüngster Sohn spielt in der U13, Vater war im Verein tätig, Bruder regelt den Austausch mit Sparta Werlte, u.a.). Der Broomfield Football Club, so schilderte er, stellt momentan um die zwanzig Teams im Jugend- wie Herrenbereich. Das ist eine beachtliche Leistung, denn um Broomfield herum gibt es große Konkurrenz. Doch durch strukturelle Maßnahmen und einem attraktiven Gesamtpaket ist es dem BFC allerdings gelungen, sich ein gewisses Standing in der Region zu erarbeiten und viele Aktive, auch von auswärts, für den eigenen Verein zu gewinnen. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Agenda: Im Moment ist der Broomfield F.C. dabei, einen weiteren Fußballplatz herzurichten (der insgesamt Vierte). Ebenso soll eine U21-Mannschaft ins Leben gerufen werden, um eine bessere Vorbereitung für die jungen Spieler auf den Alltag im Herrenbereich zu gewährleisten. Gemessen an der Ortsgröße Broomfields (ca. 5.000 Einwohner) ist das ein großer Erfolg für den Club und der Lohn für den getätigten Aufwand. Auch durch die Nähe zur Stadt Chelmsford ergeben sich für den Standort Broomfield einige nützliche Vorteile, was ähnlich mit der Nähe unseres kleinen Dorfes zu Werlte zu vergleichen ist.
Wie man auch bei uns in Deutschland mit Schrecken aufnahm, ist das Clubhaus der „Brooms“, in dem sich auch sehr viele Erinnerungen an den Austausch mit Sparta befanden, vor knapp zwei Jahren einer Brandstiftung zum Opfer gefallen. Der Verein möchte nun natürlich schnellstmöglich ein neues „Zuhause“ bauen und nahm sich dabei auch ein Beispiel an seinen Werlter Freunden: So verkauft der Club zur Mithilfe der Finanzierung Armbänder mit der Aufschrift „Broomfield F.C. Reborn“ (siehe Foto), ähnlich wie es der SV Sparta mit seinen Buttons beim Neubau der Clubanlage auch getan hat.
Nach dem Tee fuhr ich mit Stuart zum „Home“ des Broomfield Football Club. Die Anlage des BFC liegt in sehr idyllischer Lage. Weit und breit ist die Natur zu sehen und zu genießen, die durch das Ausbleiben des typisch englischen Regens umso prächtiger zum Vorschein kam. Man fühlt sich leicht ans Emsland erinnert. Dort haben wir dann Duncan, Stuarts Bruder, getroffen. Duncan berichtete lebhaft von einem über die Jahrzehnte gewachsenen guten und vertrauensvollen Verhältnis mit dem SV Sparta, auch die Jugendspieler des Clubs seien begeistert vom jährlichen Austausch und dem Rahmenprogramm, dass die Werlter (auch natürlich mit Unterstützung des SV Eiche) immer wieder auf die Beine stellen. Mit Duncan besuchte ich anschließend eine Trainingseinheit der U11 des Vereins, wo ich im Anschluss auch ein Gespräch mit Trainer Brian führen durfte, der mich über die Art und Weise des englischen Verständnisses vom Spiel mit dem runden Leder aufklärte und mich in die Taktik und Methodik seiner Trainingsarbeit einführte. Seine Ausführungen waren sehr interessant und aufschlussreich. Darüber hinaus regte ich eine kleine Diskussion über den neuen TV Deal der englischen Premier League an, in dessen Verlauf Brain zu dem Ergebnis kam, dass die exorbitante Summe in die Jugendarbeit beziehungsweise in den Amateurfußball fließen sollte. Dem englischen Fußball sei durch so eine Geldflut nicht geholfen, was sich gerade an den Ergebnissen der englischen Vereine in Champions League und der englischen Nationalmannschaft festmachen lässt. Außerdem tauschten wir uns über die aktuelle Situation in den Stadien aus. Durch die hohen Ticketpreise ginge ein Stück englischer Fußballtugenden verloren, denn die Tickets sind durch den Preisanstieg lediglich einer gut betuchten Schicht vorbehalten. Hier könnte man das Beispiel des Spiels von Arsenal London gegen Bayern München anführen, wo heftige Kritik seitens der Bayernfans aufgrund der hohen Summe für Tickets geäußert wurde.

Nach einer kleinen Stärkung ging es dann mit der ersten Mannschaft Broomfields im Bus zum Auswärtspiel. Die Stimmung war sehr ausgelassen und ich konnte mich mit den Spielern über Lieblingsvereine und Fußball im Allgemeinen unterhalten. Natürlich kamen auch die typischen Vorurteile zwischen England und Deutschland humoristisch zu Wort.

Die bekannte harte Spielweise sowie die verhältnismäßig wenigen Spielunterbrechungen (da werden aus deutscher Sicht grobe Fouls auch gerne mal mit einem Achselzucken weiterlaufen gelassen) kommen natürlich gerade im Amateurfußball noch deutlicher zum Vorschein als bei den Profis. Allerdings ist auch die Mentalität auf dem Spielfeld eine andere als hierzulande, denn selbst bei sehr hartem Einsteigen wird kaum gemeckert und der Gefoulte steht meist im nächsten Augenblick wieder auf den Beinen. Daher halten die Briten den gemeinen deutschen Fußballer auch für recht wehleidig. Allerdings lässt sich auch festhalten, dass die Amateurfußballspiele in England wenig bis gar keine Zuschauer anlocken, was eigentlich sehr schade ist. Rein sportlich wäre die erste Mannschaft des BFC niveautechnisch auf Bezirksebene oder Kreisligaebene in Deutschland anzusiedeln. Außerdem stellen die Wechselspieler der gegeneinander antretenden Teams die Linienrichter. Dieses Modell ist in England etabliert und gut durchführbar. Ob es in Deutschland auch eine Möglichkeit darstellen würde? Wenn man sich die Rivalität schon zwischen kleinsten Dörfern anschaut, wohl eher nicht.

Kurz vor Schluss des besagten Spiels führten die „Brooms“ klar mit 3:1. Doch in den letzten zehn Minuten konnte der Gegner einen Angriff erfolgreich zu Ende bringen und einen direkten Freistoß im Tor unterbringen, was dazu führte, dass unterm Strich nur ein Unentschieden zu Buche stand. Schade! Da wäre mehr drin gewesen! Allerdings tat dieser Ausgleich der Stimmung nach dem Spiel keinen Abbruch, denn wie schon auf der Hinfahrt, war auch die Rückfahrt durchaus ausgelassen.

Am Abend stand für mich das eigentliche Highlight auf dem Plan, selbst wenn es nichts mit Fußball zu tun hatte, der Boxkampf von Tom McGinley. Tom ist der Sohn vom Vorsitzenden des BFC, Sean McGinley.

Um es kurz zu halten: Tom gewann den Kampf eindeutig. Im Anschluss gab es im Hause McGinley eine Party, um den Sieg gebührend zu feiern. Zusätzlich durfte ich auch im Gästezimmer übernachten und wurde bestens versorgt. Ich fühlte mich wie zu Hause. Zudem war ich nicht der einzige Deutsche im Hause, denn Dexter, Seans deutsche Schäferhund, war auch anwesend.

Nach einem erholsamen Schlaf und einer kleinen englischen Stärkung am Morgen stand aber wieder Fußball auf dem Plan. Während der Feierlichkeiten wurde ich vom Keeper des Reserveteams der „Brooms“ gefragt, ob ich nicht als Spieler aushelfen könnte, da Not am Mann war. Ich dachte zunächst, dass es sich um einen Scherz handle und willigte ein, am anderen Tag beim Spiel morgens anwesend zu sein.

Allerdings stellte sich der Scherz als harte Wahrheit dar, denn das Reserveteam des BFC hatte wirklich Not am Mann! Glücklicherweise half Sean mir, mich aus der Sacher herauszureden. Ich hätte gern mein rot-blaues Eiche-Jersey gegen ein rot-schwarzes BFC-Shirt getauscht. Jedoch war ich weder auf dem besten Stand der Fitness, noch war ich nach der Feier in der Verfassung, um dort mitzuhalten. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon, wie ich einen Rückpass klassisch zu kurz zurückspielte (In Memoriam: HW4) oder den gegnerischen Spieler rüde umtrat. Hinzu kommt noch, dass ich mir meiner eigenen körperlichen Unversehrtheit nicht mehr sicher war, falls ich spielen sollte.

Allerdings wäre es auf der anderen Seite sicherlich nicht schlecht gewesen, einen erfahrenen Verteidiger der 4. Kreisklasse Emsland-Nord in der Hinterhand zu haben, da das Spiel am Ende leider mit 0:2 verloren ging.

Erfolgreicher war da die U13 von Stuart. Diese konnte ihr Spiel mit einem deutlichen 7:1 feiern, wobei allerdings auch augenscheinlich wurde, welche körperlichen Unterschiede die Jugendlichen in diesem Alter haben, da Stuart auf große schnelle Außenspieler zurückgreifen konnte, die ihren Pendants auf der anderen Seite weit überlegen waren. Vielleicht der entscheidende Impuls (neben diversen Überredungskünsten meines Eiche-Vorsitzenden), warum ich mich mittlerweile auch im deutschen Pendant, der D-Jugend, als Betreuer engagiere.

Nach diesem Spiel war meine Zeit in Broomfield auch schon fast vorbei, da ich am darauffolgenden Montag meiner Tätigkeit als „Cashier“ wieder nachgehen musste.

Als Zeichen des Dankes für das schöne Wochenende übergab ich Stuart Schal und Wimpel von unserem SV Eiche Wehm, worüber er sich sehr freute. Wenn das neue Clubhaus stünde, würden diese Utensilien ihren Platz dort finden.

Der finale Abschied kam dort wo das Wochenende begann, am Bahnhof in Chelmsford.

Was bleibt nun von meinem Trip ins Zentrum von Essex hängen? Auf jeden Fall die engagierte Arbeit der Verantwortlichen des Vereins. Die Jugendarbeit erscheint mir vorbildlich und die Betreuer sind wirklich mit Herzblut bei ihrem Verein dabei. Zudem sicherlich die Gastfreundlichkeit. Es war ein wirklich schönes Wochenende. Ich musste mich quasi um nichts selbst kümmern und wurde bestens versorgt. Niemals bekam ich das Gefühl, außen vor zu stehen oder isoliert zu sein. Ich wurde stets mit eingebunden. Auf der anderen Seite wurde mir auch nur Positives über Werlte und Wehm berichtet. Man sei gerne zu Gast in Deutschland und fühle sich dort pudelwohl, war der Haupttenor. So freue ich mich bereits auf den nächsten „Exchange“, der dieses Jahr über Ostern wieder auf der Insel stattfinden wird. So werde ich auch die netten „Guys“ schnell wiedersehen können.

Zurecht können unser Partnerverein Sparta Werlte und der Broomfield Football Club stolz auf eine lange Freundschaft zurückblicken. Und wir vom SVE sind froh, mittlerweile ein kleiner Teil dieser Freundschaft geworden zu sein. In diesem Sinne…

…see you soon!

JK